Erste Anzeichen und Symptome

Erste Anzeichen und Symptome

Eine CLL beginnt oft schleichend und verursacht im Anfangsstadium meist keine konkreten Beschwerden. Es kann viele Jahre dauern, bis sich erste Anzeichen bemerkbar machen. Die meisten sind so unspezifisch, dass manchmal erst eine Häufung krankheitsspezifischer Symptome Anlass zu weiteren Untersuchungen gibt. Im fortgeschrittenen Stadium der CLL-Erkrankung bemerken viele Betroffene eine Verminderung der Leistungsfähigkeit mit einhergehender Müdigkeit und Blässe. Der Arzt stellt dann häufig eine erhöhte Blutungsneigung, schmerzlose Schwellungen der Lymphknoten oder auch eine Vergrösserung von Milz oder Leber fest. Manche Betroffene leiden auch unter Fieber, Nachtschweiss und Gewichtsverlust. Ebenfalls können ständig wiederkehrende Infekte Betroffene veranlassen, einen Arzt zu konsultieren.

Auswirkungen auf Körperfunktionen

Im weiteren Krankheitsverlauf verdrängen die kranken Zellen mehr und mehr gesunde, funktionsfähige Blutzellen. Welche Auswirkungen kann das haben?

  • Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut führt zu einer Blutarmut (Anämie) und damit zu einem verminderten Sauerstofftransport im Blut. Typische Anzeichen dafür sind Müdigkeit, Blässe und ein Nachlassen der allgemeinen Leistungsfähigkeit.
  • Ein Mangel an gesunden weissen Blutkörperchen (Leukozyten) wirkt sich auf die körpereigene Abwehr aus. Krankmachende Bakterien und Viren können weniger gut bekämpft werden. Aufgrund der verminderten Abwehr kommt es häufiger vor, dass sich Krankheitserreger im Körper stark vermehren und daraus Infektionen entstehen, die unter Umständen schwerer verlaufen und langsamer ausheilen.
  • Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) zeigt sich in einer erhöhten Blutungsneigung. Wunden oder Verletzungen bluten dann stärker und Betroffene bemerken häufiger blaue Flecken, die ohne ersichtlichen Grund auftreten. Auch rote stecknadelkopfgrosse Punkte auf der Haut oder der Schleimhaut (sogenannte Petechien) können auf einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) hinweisen.
  • Die Vermehrung der kranken B-Zellen kann darüber hinaus Allgemeinsymptome (auch B-Symptome genannt) verursachen. Dazu zählen unter anderem Fieber (ab einer Temperatur von 38 °C) oder Nachtschweiss. Letzterer bezeichnet ein übermässig starkes Schwitzen während der Bettruhe, das in seiner Ausprägung unterschiedlich sein kann. Es kann von einem leichten Schweissfilm auf der Haut bis hin zur Durchnässung der Bettwäsche reichen. Auch ein ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts in sechs Monaten kann als Allgemeinsymptom auftreten.

Welche Symptome CLL begleiten und wie ausgeprägt diese sind, kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Betroffene, bei denen nur ein einzelnes Symptom auftritt, bei anderen zeigen sich mehrere krankheitsbedingte Beschwerden.

Diagnose CLL stellt der Facharzt

Diagnose CLL stellt der Facharzt

Symptome wie Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit oder Gewichtsverlust können viele Auslöser haben. Mögliche Ursachen reichen von einer Erkältung über Stress im Beruf bis hin zu ernsteren Erkrankungen. Sollten Sie diese oder ähnliche Symptome bei sich feststellen, deutet das nicht zwangsläufig auf eine CLL hin. Ein Besuch bei Ihrem Hausarzt kann hier jedoch Klarheit schaffen. Sollte die Abklärung beim Hausarzt einen Verdacht auf CLL ergeben, kann Ihr Hausarzt Sie an einen Facharzt überweisen. Ein Facharzt für Hämatologie und Onkologie, also ein Spezialist für die Diagnose und Behandlung von bösartigen Bluterkrankungen, ist dann der richtige Ansprechpartner. Er ist in der Lage im Fall einer tatsächlichen Erkrankung CLL zu diagnostizieren und gemeinsam mit Ihnen einen auf Sie abgestimmten Therapieplan zu erstellen. Darüber hinaus kann er Ihre Fragen zur Erkrankung beantworten und mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen. Je besser Sie über die CLL informiert sind, umso eher können Sie die Entscheidung für eine Therapie mittragen und dabei mitwirken.

Mehr zur Diagnose

Krankheitsverlauf der CLL

Stadien der CLL nach Binet

 

Stadium A
Weniger als drei Lymphknotenregionen befallen, keine Blutarmut (Anämie), keine Verminderung der Blutplättchen und damit keine Blutungsneigung

Stadium B
Drei oder mehr befallene Lymphknotenregionen, keine Blutarmut, keine Verminderung der Blutplättchen und damit keine Blutungsneigung

Stadium C
Vorliegen einer Blutarmut oder einer verminderten Anzahl von Blutplättchen und damit einer erhöhten Blutungsneigung, die Anzahl der befallenen Lymphknotenregionen ist nicht relevant

Krankheitsverlauf der CLL

Eine CLL verläuft bei den meisten Betroffenen langsam bis mässig schnell. Viele haben in den ersten Jahren keine Beschwerden und können gut mit der Erkrankung leben. Ein rasches Fortschreiten der Erkrankung ist in der Regel zu Beginn selten. Um den individuellen CLL-Verlauf besser einschätzen zu können, kann Ihr behandelnder Arzt das Stadium Ihrer Erkrankung bestimmen. Die Ausbreitung der Erkrankung im Körper kann mithilfe zweier Klassifikationen eingeteilt werden: der Rai-Klassifikation, benannt nach dem Hämatologen Kanti Rai, und der Binet-Klassifikation, benannt nach dem französischen Arzt Louis Binet. In Europa wird gewöhnlich die Einteilung nach Binet verwendet. Das System unterscheidet drei Krankheitsstadien (A/B/C). Neben dem Befall des lymphatischen Systems (Lymphknoten, Milz und Leber) spielt dabei auch die Beeinträchtigung der gesunden Blutbildung eine Rolle. Die Stadien A und B gelten als frühe Krankheitsstadien, während C ein fortgeschrittenes Stadium bezeichnet.

Anhand des Krankheitsstadiums kann der natürliche Krankheitsverlauf grob abgeschätzt werden, so wie sich die Erkrankung ohne Behandlung vermutlich entwickeln würde. Ist die Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, ist die Überlebenszeit verkürzt, sofern keine Behandlung erfolgt.

Da eine CLL bei den meisten Betroffenen langsam bis mässig schnell verläuft, ist in einem frühen Krankheitsstadium häufig noch keine Behandlung nötig (watch and wait). Doch es gibt auch CLL-Patienten, bei welchen die Krankheit rasch fortschreitet. Diese Patienten sprechen in der Regel auch schlecht auf die konventionellen Therapien an, oder die Erkrankung kehrt nach erfolgreicher Behandlung früh wieder zurück. Man spricht von einer sogenannten Hochrisiko-CLL.

Glücklicherweise sind heute eine Reihe von Faktoren bekannt, die es erlauben, Patienten mit einer Hochrisiko-CLL bereits in einem frühen Krankheitsstadium zu identifizieren. Dies erfolgt mittels einer einfachen Blutentnahme und einer zytogenetischen Untersuchung dieser Blutprobe. Die Untersuchung gibt Aufschluss über die spezifischen Eigenschaften der entarteten B-Zellen des Patienten.

Genetische Untersuchung kann Aufschluss über CLL-Verlauf geben

Gesunde Körperzellen vermehren sich kontrolliert und haben eine begrenzte Lebensdauer. In Krebszellen werden hingegen häufig Genveränderungen beobachtet, welche die Vermehrung dieser Zellen begünstigen und den natürlichen Zelltod verhindern. Die CLL beginnt mit Veränderungen einer einzigen Zelle, eines sogenannten B-Lymphozyten (B-Zelle). Die Veränderungen betreffen die Erbinformation dieser entarteten Zelle. Darum gibt die Zelle diese ungünstigen Eigenschaften an alle ihre Tochterzellen weiter – falls die entartete Zelle nicht rechtzeitig vom körpereigenen Immunsystem entdeckt und eliminiert wird.

Im Rahmen einer sogenannten zytogenetischen oder FISH(Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung)-Untersuchung werden die Chromosomen der entarteten B-Zellen untersucht, um strukturelle Veränderungen der Chromosomen festzustellen. Für die Untersuchung genügt eine einfache Blutentnahme.

Weitergehende genetische Untersuchungen können dazu beitragen, die spezifischen Eigenschaften der entarteten B-Zellen noch besser zu kennen und so die Erkrankung und ihren individuellen Verlauf besser einschätzen zu können.

Die häufigsten genetischen Veränderungen in CLL-Zellen
Die zytogenetische Untersuchung des Blutes zeigt bei rund 80% der CLL-Patienten genetische Veränderungen in den entarteten B-Zellen. Eine Deletion auf Chromosom 13 ist der häufigste Fall. Diese Veränderung wird bei rund 50% der Patienten gefunden.

Besonders bedeutend für den Verlauf der CLL und für die Therapiewahl sind Veränderungen auf Chromosom 17 – und dort speziell im Gen TP53. TP53 ist nämlich ein Tumorsuppressor-Gen. Im normalen Zustand wirkt es hemmend auf die Zellteilung. Wenn es defekt ist oder fehlt, unterstützt dies die unkontrollierte Vermehrung der betreffenden Zellen, also die Entstehung von Krebs.

In CLL-Zellen kann entweder nur das TP53-Gen durch eine Mutation in seiner Funktion beeinträchtigt sein oder aber ein ganzes Teilstück des Chromosoms 17, auf welchem das TP53-Gen liegt (sogenannte 17p-Deletion). Solche Veränderungen, die das Gen TP53 betreffen, führen in der Regel zu einem raschen Fortschreiten der CLL bzw. zu einem schlechten oder nur kurzzeitig anhaltenden Ansprechen auf eine konventionelle Therapie. Daher wird diese Art der CLL «Hochrisiko-CLL» genannt.

Quellen:
Leukämie bei Erwachsenen – eine Information der Krebsliga für Betroffene und Angehörige. Krebsliga Schweiz, Bern. 2015 (2., überarbeitete Auflage).
Lymphome – ein Leitfaden für Betroffene und Angehörige. lymphome.ch Patientennetz Schweiz. 2016 (3. Auflage).

Quellen

Kurzes Glossar zur Erbinformation:

Chromosomen können im Laufe des Lebens «ungeplante» strukturelle Veränderungen erfahren. Es kann z. B. ein Teilstück verloren gehen (Deletion) oder ein abgebrochenes Teilstück fügt sich an ein anderes Chromosom an (Translokation). Teilt sich die Zelle im Anschluss wieder, werden diese Veränderungen an die Tochterzellen weitergegeben und allfällige Konsequenzen für die Genprodukte (meist Proteine) bleiben bestehen.
Bei CLL ist zum Beispiel die sogenannte 17p-Deletion relevant. Es bedeutet, dass dem Chromosom 17 ein Teilstück fehlt.
Chromosomale Veränderungen können mit Methoden wie der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) nachgewiesen werden.

Sie befinden sich im Zellkern und sind diejenigen Bestandteile unserer Zellen, welche die Erbinformation tragen. Sie enthalten die DNA, auf der die Gene codiert sind. Normale menschliche Körperzellen haben 23 Chromosomenpaare.

Die Desoxyribonukleinsäure DNS (engl. Deoxyribonucleic acid DNA) ist ein langes Molekül (Doppelhelix), das in der Abfolge seiner Bestandteile (Nukleotide) die Erbinformation jeder Zelle trägt.

Ein Gen ist ein bestimmter Abschnitt auf der DNA, der den Bauplan für ein bestimmtes Protein oder eine andere (z.B. regulatorische) Grundinformation enthält.

Eine Mutation ist eine spontan auftretende, dauerhafte Veränderung eines Gens. Mutationen betreffen oft viel kleinere Abschnitte der DNA, als dies Deletionen tun. Wie die Deletion betrifft eine Mutation zunächst nur eine Zelle, wird aber an alle ihre Tochterzellen weitergegeben. Eine Mutation kann möglicherweise Veränderungen im Aufbau des entsprechenden Proteins verursachen.

Bei CLL ist zum Beispiel die Mutation des Gens, welches für das Tumorprotein 53 (TP53) kodiert, relevant. Das Auftreten einer sogenannten TP53-Mutation bedeutet, dass das TP53-Gen und sein zugehöriges Protein TP53 nicht mehr funktionsfähig sind. TP53 spielt eine wichtige Rolle als Bewacher der Zellen und bei der Verhinderung der Krebsentstehung. Zellen, die eine TP53-Mutation aufweisen, sind daher anfällig, in eine Krebszelle zu entarten.
Mutationen können mit Methoden wie der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) oder Next Generation Sequencing (NGS) nachgewiesen werden.

Ein Protein oder Eiweiss ist das biologische Molekül, das nach dem Bauplan eines Gens von der Zelle erstellt wird. Proteine erfüllen eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben im Körper.